Social Media im Vergleich: Im Journalismus sind die posts aktueller als bei Unternehmen

Eine journalistische Redaktion kommt ohne Social Media heute nicht mehr aus: Manche User informieren sich nur noch über soziale Netzwerke, statt über traditionelle Medien wie Print, Radio, Fernsehen oder die News-Website. Andere würden zumindest spannende Inhalte nicht finden, ohne via Social Media angeteasert zu werden. Und dann ist noch der wichtige Part für Journalisten, soziale Netzwerke zur Recherche zu nutzen. Grob lassen sich die Funktionen von Social Media folgendermaßen unterteilen:

Gründe, warum Redaktionen in sozialen Netzwerken präsent sind. Quelle: „Journalismus und PR“ (Hrsg.: J. Wiske/M. Kaiser 2023).

In Unternehmen spielen Social Media sowohl im Marketing als auch in der Unternehmenskommunikation eine bedeutende Rolle: Je nach Unternehmen sind aber auch HR, der Vertrieb oder der Kundendialog gefordert. Die Funktionalitäten sind hier unterschiedlich: von Informationen über Service bis hin zu Marketing und Sales:

Wie unterscheiden sich Unternehmen und Redaktionen?

Im Buch „Journalismus und PR“ wird untersucht, wie sich die Social-Media-Auftritte von Unternehmen und Redaktionen unterscheiden. Redaktionen setzen deutlich mehr Postings ab als Unternehmen, haben damit eine deutlich höhere Frequenz. Bis auf wenige Ausnahmen wirkt die Aufbereitung bei den Unternehmen durch hochwertige Fotos und Videos deutlich aufwändiger als im Journalismus. Redaktionen sind dagegen deutlich öfter tagesaktuell als Unternehmen.

Bei den Redaktionen dominierte das Ziel, den Kontakt mit den Usern auf Facebook zu nutzen, um diese auf die eigene Website umzuleiten. Dies wurde auch in Richtung Bezahlinhalte versucht. Die Zielsetzungen bei den Unternehmen waren dagegen vielfältiger und reichten von Produktwerbung über Recruiting bis hin zu Kundenansprache im B2B-Umfeld.

Im neuen Buch „Journalismus und PR. Arbeitsweisen, Spannungsfelder, Chancen“ (Jana Wiske/Markus Kaiser) erklärt der Head Social Media der Tagesschau, Patrick Weinhold, warum und mit welcher Strategie seine Redaktion auf TikTok vertreten ist und wann sie das soziale Netzwerk verlassen würde. Außerdem gibt Frank Büch von den Berliner Verkehrsbetrieben einen Einblick, wie es zur Kampagne „BVG – Weil wir dich lieben“ kam und was für die BVG ein No go wäre.

Warum Newsrooms immer seltener Räume sind

Der Trend ist aus den USA nach Deutschland gekommen: Immer mehr Redaktionen haben einen Newsroom eingeführt. Beeindruckend ist beispielsweise der gigantische Newsroom der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Manche Medienhäuser (wie die Mittelbayerische Zeitung aus Regensburg) haben sogar die Chance eines Neubaus genutzt, um einen Newsroom einzurichten.

Warum haben Redaktionen, aber auch Abteilungen für Unternehmenskommunikation dies gemacht? Bei mehr als einem Ausspielkanal (neben Print oder Fernsehen in der Regel Social Media, die Website etc.) ist eine ständige Abstimmung nötig. Diese klappt besser in einem gemeinsamen Büro der Beteiligten statt über verschiedene Flure verteilt.

Corona hat den Trend verstärkt

Heute ist der Begriff Newsroom aber längst nicht mehr auf die Räumlichkeiten begrenzt. Die Corona-Pandemie hat dem Trend einen weiteren Schub gegeben, dass das Konzept Newsroom immer öfter auch digital (vor allem über MS Teams) abgebildet wird.

Dieser Trend wird sich verstärken. Denn wenn im Newsroom nicht alle Plätze besetzt sind oder es freie Platzwahl (wie in einem Multispace oder Großraumbüro) gibt, geht der ursprüngliche Sinn von funktionalen Arbeitsplätzen verloren.

Dieses Verständnis eines Newsrooms ist alles andere als ein Auslaufmodell. Newsroom-Experte Christoph Moos gibt im neuen Buch „Journalismus und PR. Arbeitsweisen, Spannungsfelder, Chancen“ (Jana Wiske/Markus Kaiser) in einem Interview einen Einblick, wie ein Newsroom erfolgreich eingeführt werden kann, welche Rollen es im Newsroom gibt und welche Trends er sieht.