Onlinejournalismus, Crossmedia, Newsrooms und jetzt Künstliche Intelligenz: Medienunternehmen befinden sich seit den 2000er Jahren in einer ständigen Transformation. Mal reagieren Verlage, Rundfunksender und Redaktionen zurückhaltend und langsam, mal sind sie bei digitalen Veränderungen vorne dran. Was sie leider noch immer nicht verinnerlicht haben: Wie wichtig es ist, die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitzunehmen. Denn Change Management gehört in Medienunternehmen noch längst nicht zum Standard bei Veränderungsprojekten.
Im Gegenteil. Auch wenn in Gesprächen die Bedeutung von Change Management durchaus immer wieder betont wird, kennen neun von zehn Medienunternehmen kein einziges Change-Management-Modell: weder das ADKAR-Modell von Prosci noch das des Harvard-Professors John P. Kotter noch das ganz einfache, heute aufgrund seiner Einfachheit kaum mehr verwendete von Kurt Lewin.

Nur jedes dritte Medienunternehmen will seine Ressourcen ausbauen
Im Journalismus wollen auch nur 32 Prozent der Unternehmen ihre Ressourcen im Change Management in den nächsten beiden Jahren auf- bzw. ausbauen, in der Unternehmenskommunikation sind es immerhin 69 Prozent. Das hat eine Befragung für das Buch „Journalismus und PR“ (Hrsg.: J. Wiske/M. Kaiser) im Jahr 2023 ergeben.
Dies ist erstaunlich, denn Change Management rechnet sich in der Regel betriebswirtschaftlich völlig, wie das US-amerikanische Unternehmen anhand von drei Ebenen immer wieder verdeutlicht:
- Weniger Mitarbeitende verweigern die neuen Arbeitsweisen und bleiben produktiv. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels kann man es sich schließlich nicht leisten, Mitarbeiter zu verlieren (entweder durch eine innere Kündigung oder dadurch, dass sie tatsächlich das Unternehmen verlassen)
- Mitarbeitende brauchen weniger Zeit, um sich an die neuen Arbeitsweisen zu gewöhnen und wieder voll produktiv zu sein. Gerade bei einer Vielzahl von Veränderungsprojekten kann man es sich aber nicht erlauben, lange Phasen der Eingewöhnung zu haben.
- Mitarbeitende nutzen die neuen Arbeitsweisen in vollem Umfang, statt nur Teile davon (zum Beispiel einer neuen Software)
Die Vermutung liegt nahe, dass viele Redaktionen noch zu wenig Ahnung und zu wenig Erfahrung in diesem Thema haben, auch wenn es in der Zwischenzeit spezialisierte Ratgeber für Change Management auch in der Kommunikationsbranche gibt.

Im neuen Buch „Journalismus und PR. Arbeitsweisen, Spannungsfelder, Chancen“ (Jana Wiske/Markus Kaiser) erklärt Patrick Wanner, wie Medienunternehmen vorgehen sollten, um ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitzunehmen und warum es sich auch betriebswirtschaftlich absolut lohnt, in Change Management zu investieren. Mirjam Piniek, Change Managerin beim Bayerischen Rundfunk, gibt in einem Interview außerdem einen Einblick in ihren Berufsalltag.







