Der digitale Bürgermeister: Social Media für Kommunalpolitiker

Gemeinsam mit der Akademie für Politische Bildung Tutzing veranstalten wir am 6. Oktober in Tutzing und am 7. Oktober in Nürnberg die Tagung „Der digitale Bürgermeister: Social Media für Kommunalpolitiker“. Die Bandbreite ist riesig, wie gut, wie schlecht oder manchmal auch überhaupt nicht soziale Netzwerke von Landrätinnen und Landräten, Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern und Kreis-, Stadt- und Gemeinderätinnen eingesetzt werden.

Häufig fehlt bei den Social-Media-Auftritten die zentralste aller Fragen: Was will man mit seinen Aktivitäten eigentlich erreichen? Ohne die Zielsetzung zu definieren, lässt sich natürlich auch keine Zielgruppe festlegen und damit auch nicht, welche Kanäle sinnvoll sind. Hier lohnt es sich, etwas Zeit zu investieren, um ein gutes Angebot für die Bürgerinnen und Bürger machen zu können – oder aber (je nach Zielsetzung) auch zur internen Kommunikation zum Beispiel via WhatsApp für eigene Parteimitglieder. Hier lohnt es sich, auch eine Persona zu erstellen. Dadurch sieht der Politiker, welche Kanäle (Facebook, Instagram, Snapchat, Twitter, Pinterest etc.) er am besten nutzen sollte und auch welche Themen und wie er diese spielt.

In jedem Fall sollte der Politiker seine Social-Media-Kanäle nicht in erster Linie dafür nutzen, um einfach nur zu dokumentieren, welche Termine er wahrgenommen hat. Ehrungs- und Handschüttel-Bilder wie in Lokalteilen von Tageszeitungen reißen keine User vom Hocker. Oft lohnt es sich auch hier, etwas mehr Zeit in die Produktion von Inhalten zu investieren, um diese zumindest in der eigenen Kreisstadt „sharable“ zu machen, also sie so gut aufzubereiten, dass sie häufig geteilt werden.

Kommunikationskonzept: eigene Darstellung von Markus Kaiser

Natürlich gibt es ein paar Trends, die man für sein Konzept zumindest kennen sollte:

  1. Die Social-Media-Kanäle differenzieren sich immer stärker aus. Natürlich muss kein Kommunalpolitiker auf TikTok sein (und sollte auch nur die Kanäle nutzen, für die er authentisch Inhalte produzieren kann). Es gilt aber stark zu überlegen, welche Netzwerke sinnvoll sind. Wenn man wenig Zeit hat, sollte man sich lieber fokussieren, als alles zu bespielen.
  2. Fotos und Videos werden immer wichtiger. Einfach nur einen Text zu posten, geht in der Vielzahl der Beiträge unter. Diese zunehmende Bedeutung zeigt sich auch darin, dass Facebook als soziales Netzwerk laut ARD/ZDF-Onlinestudie stagniert, während Instagram zulegt.
  3. Live-Streaming bietet einen direkten Weg zum Bürger. Bei der Tagung in Tutzing und in Nürnberg wird Ralph Edelhäußer, Bürgermeister der mittelfränkischen Kreisstadt Roth, zum Beispiel berichten, wie er digitale Live-Bürgersprechstunden via Facebook abhält.
  4. Die Story-Funktion (wie bei Instagram) bietet die Möglichkeit, auch ganze Geschichten multimedial zu erzählen. Dadurch können viel mehr Inhalte transportiert werden als in einem gewöhnlichen Post. In der Landespolitik nutzen dies beispielsweise Digitalministerin Judith Gerlach und die Grünen-Politikerin Katharina Schulze bereits stark. Anregungen kann man sich zum Beispiel auch bei der „News-WG“ des Bayerischen Rundfunks holen.
  5. Neben den sozialen Netzwerken sollte man als Homebase auch einen eigenen Blog und seine eigene Website als eine Art Visitenkarte nicht vernachlässigen.
  6. Es ist wichtig, dass man nicht nur seine eigenen Social-Media-Kanäle durch eigene Posts bespielt, sondern auch in den Gruppen dabei ist und bei den anderen mitdiskutiert, bei denen man selbst etwas zu sagen hat. Sonst dreht man sich nur im Kreis um seine eigene Blase.
  7. Journalisten nutzen selbst inzwischen verstärkt Social Media. Mit pfiffigen Posts schafft man es vielleicht vom eigenen Profil in die Landkreis-Zeitung oder zumindest deren Internetauftritt.
  8. Qualität ist besser als Quantität. Denn sonst können die eigenen Aktivitäten viel zu leicht verpuffen.

Wie sich Fernsehsender wandeln müssen

Guido Vogt legt einen speziellen Fokus auf lineare Fernsehsender, was die digitale Transformation betrifft. In seinem Buch „Fernsehsender beraten“ geht er sehr strukturiert und analytisch vor, wie sich RTL, ProSieben, WDR & Co. umstrukturieren müssen, statt gegen Streamingdienste wie Netflix nur zu wettern und – wie er es formuliert – „den Zuschauern einen souveränen Umgang mit der Nutzung von Video-on-Demand-Angeboten“ abzusprechen.

Das Buch bietet aber nicht nur eine gute Analyse und versucht Awaress bei Fernsehsendern zu wecken. Es kann für Innovations- und Veränderungsmanager auch eine gute Anleitung sein, wie man beim digitalen Wandel vorgehen kann. Das Werk zeigt wieder einmal deutlich auf, dass Change Management methodisch zwar erst einmal unabhängig von der Branche funktioniert, dass es aber doch für die Akzeptanz und Nuancen sehr wichtig ist, mit einer Innenansicht an die Veränderungsprojekte heranzugehen.

Das Buch geht sehr in die Tiefe und erklärt auch Methoden der Organisationsentwicklung wie Teamentwicklung, Konfliktmanagement, Coaching und Innovationsberatung. „Die Kernidee der Organisationsentwicklung entstammt der sogenannten Human Relations-Bewegung. Diese stellt den Menschen und sein Verhalten in den Mittelpunkt“, schreibt Vogt. Ein lesenswertes Buch!

Guido Vogt: Fernsehsender beraten. Organisationsentwicklung, Innovationsstrategien und Change Management, Baden-Baden 2019 (Nomos).

Unser Buch „Change Management in der Kommunikationsbranche“ ist erschienen

Unser Buch "Change Management in der Kommunikationsbranche. Veränderungsprozesse in Medienunternehmen und in der Unternehmenskommunikation" von Nicole Schwertner und Markus Kaiser ist bei SpringerVS erschienen und ab sofort im Buchhandel erhältlich.
Unser Buch „Change Management in der Kommunikationsbranche. Veränderungsprozesse in Medienunternehmen und in der Unternehmenskommunikation“ von Nicole Schwertner und Markus Kaiser ist bei SpringerVS erschienen und ab sofort im Buchhandel erhältlich. Foto: Markus Kaiser

Digital statt Großraumbüro: Das Ende des klassischen Newsrooms?

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Medienunternehmen, aber auch Kommunikationsabteilungen von Unternehmen Newsrooms eingerichtet. Wände wurden herausgerissen, neue Organisationsstrukturen und Abläufe etabliert und immer weiter verfeinert. Und dann kam Corona. Die Redaktionen waren (bzw. sind es zum Teil noch) verwaist. Von einem Tag auf den anderen wurde remote gearbeitet.

Im Newsroom 2.0 könnten sich Journalistinnen und Journalisten digital vernetzen und aus dem Café arbeiten, statt im Großraumbüro zu bleiben. Foto: Pixabay

Was kommt jetzt? In verschiedensten Branchen ist es nicht mehr vorstellbar, dass das Rad komplett zurückgedreht wird, jeder wieder jeden Tag brav ins Büro spaziert und nine to five arbeitet. Corona kann man als Katalysator für neue Arbeitsweisen betrachten; der Virus hat New Work den Weg bereitet. New Work war aber auch ohne Corona schon länger ein großes Thema – vor allem bei den jüngeren Arbeitnehmer/innen. Sie wollten sich weder diktieren lassen, wann sie arbeiten (unter tags? nachts?), noch an welchem Ort (Café? Strand? Homeoffice? Multispace? Coworking?) noch auf welche Weise. Nur wer auf die Bedürfnisse dieser Generation eingeht, wird auch weiterhin die besten für sich werben können.

Deshalb lohnt es sich, den klassischen Newsroom neu zu denken. Wie kann ein digitaler Newsroom aussehen, bei dem die Redakteurinnen und Redakteure nicht in einem Raum sitzen? Welche (Planungs-)Tools braucht es? Welche fixen Konferenzzeiten? Welche Abläufe? Welche Rollen für Mitarbeiter/innen? Und wie stellt man den Informationsfluss sicher, ohne dass es aber auch ein zu viel an Infos gibt.

Es lohnt sich für Medienunternehmen und die Unternehmenskommunikation, diese Fragen für einen digitalen Newsroom zu stellen. Und Redaktionen und Unternehmen, die derzeit einen gigantischen neuen Newsroom vielleicht sogar bauen wollen, sollten zunächst einmal die digitale Alternative durchspielen – nicht dass sie umsonst viel Geld in den Sand setzen.

Zoom, Moodle, Teams & Co.: Learnings aus dem digitalen Semester

Anfang März schien das Sommersemester 2020 ja noch ganz normal zu starten. Ich hatte alle Seminarpläne vorbereitet, meine PowerPoint-Folien weitgehend fertig, die Sitzungen konzipiert. Und dann kam Corona. An den Universitäten und Hochschulen wurde auf digitale Lehre umgestellt, was mal holprig (technische Ausstattung und anfangs die Kapazitäten zum Beispiel für Adobe Connect), mal super funktionierte. Ein paar Sachen habe ich aus diesem besonderen Semester mitgenommen:

1. Zoome nie länger als 90 Minuten

Digitale Seminare sind anstrengender als Präsenzlehre. Sie ermüden schneller. Ein didaktischer Wechsel ist wichtig. Zwar kann man zum Beispiel bei Zoom auch Break-out-Sessions für Gruppenarbeiten nutzen. Die besten Erfahrungen habe ich aber gemacht, wenn ich von Beginn an das Seminar abwechslungsreich konzipiert hatte: 60 Minuten Zoom, dann schaut sich jeder drei zehnminütige Referate als Video an, dann gibts einen Aufsatz als pdf zu lesen, dazu Fragen per Mail einzureichen – und man trifft sich wieder via Zoom zum Diskutieren. Das ist in der Konzeption und Planung zwar viel aufwändiger, das Feedback der Studierenden war hier aber wesentlich besser.

2. Die Kamera ist wichtig für einen Seminarcharakter

Die Süddeutsche Zeitung hat mit dem Titel „Generation unsichtbar“ darüber berichtet, dass angeblich Studierende nur ungern ihre Webcam in Seminaren einschalten. Um ganz deutlich zu sein: Dann handelt es sich auch nicht um ein Seminar, sondern um eine reine Vorlesung mit kaum Interaktionen. Ich bitte jeweils zu Beginn meine Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die Cam einzuschalten. Letztlich entsteht dadurch in der Regel eine sehr gute Seminaratmosphäre. In einem Seminar habe ich leider auch erlebt, dass niemand die Cam einschalten wollte, was dann auch zu langen Monologen meinerseits (dann aber auch ohne Cam von mir) geführt hat. Meine Erfahrung: In solche Fällen macht synchrone Live-Lehre keinen Sinn. Dann kann man gleich auf einen Podcast verlinken.

3. Ausrüstung ist wichtig

Egal, ob Dozierende oder Studierende: Digitale Lehre erfordert Equipment. Weil die meisten Hochschulen und Universitäten (wie zum Beispiel die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg oder die TH Nürnberg) schon angekündigt haben, das Wintersemester 2020/2021 wird auch zumindest weitgehend digital stattfinden, ist jetzt Zeit zu schauen, wo man nachrüsten muss: Klar, eine Webcam gehört zur Standardausrüstung. Sinnvoll sind dann noch ein externes Mikrofon und eine stabile Internetverbindung (übrigens klappt bei einem sehr hohen Datentarif Zoom auch sehr gut via Hotspot durch das LTE vom Smartphone).

4. Dialoge oder Aufgaben statt Monologe

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass kleine Aufgaben in einem Online-Seminar bei Studierenden sehr gut angekommen. Oder zumindest Dialoge statt Monologe. Klar, ich vermute mal, manchen wird dies auf die Nerven gehen, die sich nur einloggen wollen und dann noch ein Stündchen im Bett schlummern. Aber dann macht ein Online-Seminar ja sowieso keinen Sinn. Deshalb setze ich inzwischen sehr stark auf Interaktion.

Hört endlich mit diesen Milliarden auf!

„TUI bekommt Staatskredit über 1,8 Milliarden Euro.“ (Spiegel)
„Bund will bis zu 365 Milliarden Euro neue Schulden aufnehmen.“ (Süddeutsche Zeitung)
„Land stützt Wirtschaft mit Milliarden-Hilfspaket“ (Die Welt)

Drei Überschriften von drei Qualitätsmedien, die Leserinnen und Leser leider nur ratlos zurücklassen. Noch schneller als bei der Euro-Krise wird – verbal – mit Milliarden um uns geworfen. Die Zahlen klingen eindrucksvoll. Die Politik will damit beruhigen, dass sie etwas tut. Doch leider wird von Medien nur höchst selten eingeordnet, was dies bedeutet.

Sind 365 Milliarden Euro neue Schulden viel? Die Zahlen klingen schwindelerregend. Hier wünschte man sich vor allem Vergleiche, um dies einordnen und kapieren zu können. Nur durch Vergleiche (wie man sie bei Flächen durch den abgedroschenen Vergleich mit der Anzahl von Fußballplätzen kennt) können diese einigermaßen greifbar werden.

Zahlen und Statistiken nützen Leserinnen und Lesern nur dann etwas, wenn sie eingeordnet werden. Foto: Pixabay

Deshalb ein Lesetipp: „So lügt man mit Statistik“ von Walter Krämer. Der Statistik-Professor der TU Dortmund sensibilisiert, wie mit Zahlen, Grafiken und Tabellen manipuliert werden kann. In einem Gastbeitrag gibt Roland Schatz, Chef von Media Tenor, außerdem „7 Tipps für besseren Corona-Journalismus“.

Journalismus ist systemrelevant. Es ist wichtig, dass er auch in der Ausnahmesituation hinterfragt und verschiedenste Experten zu Wort kommen lässt, aber auch einordnet. Ein paar Beispiele:

  1. Wenn Unternehmen, aber auch Sportvereine oder andere Organisationen beklagen, wie viele Millionen sie durch die Corona-Krise „verlieren“, muss hinterfragt werden, wie sich diese Zahl ergeben hat und vor allem auch, auf welchen Zeitraum sie sich bezieht.
  2. Die Liste an Ländern mit den meisten Infizierten und den meisten Todesfällen alleine besitzt keine Aussagekraft. Sie ließe sich nur vergleichen, wenn überall exakt gleich getestet werden würde. Außerdem muss auch diese im zeitlichen Kontext und zum Beispiel zur Bevölkerungszahl eingeordnet werden.
  3. Wie hoch ist die als Hilfe in Aussicht gestellte Staatsverschuldung im Vergleich zum Gesamthaushalt? Was bedeutet dies für geplante künftige Infrastrukturprojekte?

Das sind nur einige Beispiele für Fragen, um die Auswirkungen der durch den Corona-Virus entstandenen Krise für Leserinnen und Leser greifbarer zu machen. Genau das ist heute eine der wichtigen Aufgaben für Journalistinnen und Journalisten.

Studie zu ethischen Aspekten im Roboterjournalismus

Ganz so einfach war es gar nicht, Journalistinnen und Journalisten zu ethischen Aspekten im Roboterjournalismus zu befragen. Thomas Zeilinger, Professor für Christliche Publizistik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, und ich haben für unsere Studie festgestellt, dass sich noch relativ wenige wirklich tief mit dem Thema automatisierter Textgenerierung beschäftigt haben. Unsere Ergebnisse haben wir in dieser Woche auf der Jahrestagung des Netzwerks Medienethik und der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Hochschule für Philosophie in München vorgestellt.

Fast drei Viertel der Befragten gaben an, dass es für die Kennzeichnung von automatisiert erstellten Texten allgemeine Standards geben sollte. Foto: Pixabay

117 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich am Online-Fragebogen im Januar 2020 beteiligt, darunter 88 Journalistinnen und Journalisten, 23 Ausbilderinnen und Ausbilder und sechs Vertreter von Journalismus-Verbänden. Wenig überraschend war die Antwort auf die Frage, ob automatisch generierte Texte als solche gekennzeichnet werden sollten: 79 Prozent der Befragten antworteten mit „Ja“, 18 Prozent mit „Nein“ und 3 Prozent mit „Weiß nicht“. Das freie Eingabefeld, wie diese Kennzeichnung gemacht werden sollte, wurde von keinem einzigen Teilnehmer ausgefüllt. Unsere Schlussfolgerung: Wir haben die „sozial erwünschten“ Antworten erhalten, aber wir stellten nur wenig Engagement fest, sich Gedanken darüber zu machen, wie dies am besten aussehen könnte. Und vermutlich hatten sich viele bisher damit noch zu wenig beschäftigt, um eine dezidierte Meinung zu haben, ob dies mit einer Autorenzeile, einem Kürzel, einem Logo oder einem Hinweissatz unter dem Textbeitrag sein sollte.

Foto: Gabriele Hooffacker

Medien und Wahrheit war das Thema der Jahrestagung in München

Deutlich sprachen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dafür aus, dass es Standards für die Kennzeichnung von Roboterjournalismus geben sollte und nicht jede Redaktion je nach Design der eigenen Website eine selbstständige Entscheidung trifft. 78 Prozent plädierten für allgemeingültige Standards, 20 Prozent waren der Ansicht, das sollte jede Redaktion selbst festlegen und 2 Prozent antworteten mit „Weiß nicht“. Auf die Frage, wer denn diese Kennzeichnung regeln sollte, gab es für das freie Textfeld nur sieben Antworten: der Deutsche Presserat (4), der Gesetzgeber (1), ein Redaktionsstatut (1) und die Redaktion (1).

Google bietet in der erweiterten Suche ja verschiedenste Möglichkeiten, etwa wie in diesem Bild die spezifische Suche nur nach pdf-Dokumenten (analog funktioniert dies mit filetype: docx auch für Word und andere Dokumente) oder nur auf bestimmten Websites mit site:zeilingers-zeilen.de etc. Wir haben deshalb gefragt, ob Suchmaschinen eine Einstellung anbieten sollten, dass man speziell nach vom Menschen bzw. von einer Software verfassten Texten suchen können sollte. Etwas überraschend wird darin von den 177 Befragten gar kein Mehrwert gesehen. Nur 32 der 177 Befragten (27 Prozent) wünschen sich diese Funktion, 83 (71 Prozent) nicht und 2 Prozent gaben „Weiß nicht“. an.

Einen großen Unterschied stellten wir zwischen den befragten Gruppen fest, ab wann die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwarten, dass Roboterjournalismus im deutschsprachigen Raum eine bedeutende Rolle spielen werde: Hier zeigte sich, dass der Großteil der Journalismus-Ausbilderinnen und -Ausbilder innerhalb von ein bis zwei Jahren damit rechnet, während die Journalistinnen und Journalisten dies erst innerhalb von drei bis fünf Jahren erwarten.

Über unseren Vortrag auf der Jahrestagung des Netzwerks Medienethik gibt es auch einen Beitrag im Blog „Zeilingers Zeilen“ zu lesen.

Am Montag, 12. Oktober 2020, werden wir das Thema Roboterjournalismus bei der Ringvorlesung Medien & Daten der TH Nürnberg vertiefen. Dazu spricht ab 19.00 Uhr Saim Alkan von AX Semantics (Bahnhofstr. 90 in Nürnberg, Hörsaal BB.103).

Warum wir dringend über Qualität im Journalismus sprechen müssen

Ab heute treffen sich Journalistinnen und Journalisten, Verbandsvertreter, Forscher und Journalistenausbilder zu ihrem jährlichen Dreiländer-Treffen der Initiative Qualität im Journalismus (IQ) in München. Das Treffen mit den Kolleginnen und Kollegen aus Österreich und der Schweiz unter der Leitung der früheren journalist-Chefredakteurin Ulrike Kaiser ist jedes Jahr sehr aufschlussreich, aber es ist oftmals auch deprimierend zu sehen, wie vor allem der öffentlich-rechtliche Rundfunk (ORF und SRF) in den jeweiligen Ländern unter Beschuss steht.

Wir führen ab heute eine wichtige Debatte über aktuelle Entwicklungen und Initiativen im Bereich Qualität im Journalismus. Es wird dabei um Medienpolitik gehen, um Ausbildung, um den Medienmarkt, um Selbstkontrolle und um neue journalistische Formate. Wir müssen dringend über Qualität im Journalismus sprechen. Nicht weil es keine qualitätvollen Angebote (mehr) gibt. Ganz im Gegenteil. Es gibt dank digitaler Medien so viele hochwertige, top recherchierte und wunderbar aufbereitete Inhalte wie nie zuvor. Wir müssen vielmehr darüber sprechen, wie Qualitätsjournalismus als solcher sichtbar bleibt. Und wir müssen darüber sprechen, wie wir in der Gesellschaft ein gemeinsames Verständnis von Qualitätsjournalismus erhalten bzw. wieder neu schaffen.

1. Wie bleibt Qualität sichtbar?

Es ist ein bisschen wie auf einem Weg. Zu Fußgängern kommen immer neue Verkehrsteilnehmer hinzu: Autos, Fahrräder, E-Bikes und jetzt E-Roller. Der Weg wird unübersichtlicher und gefährlicher. In den Medien gibt es immer mehr Sender: neben Journalisten Unternehmen, Verbände, Parteien und Politiker und Privatpersonen. Daran ist erst einmal nichts Schlechtes und nichts auszusetzen, wenn jeder die Möglichkeit hat zu publizieren und – wie ja vom Grundgesetz garantiert – auch seine Meinung zu äußern. Problematisch ist es nur, wenn nicht mehr auf den ersten Blick sichtbar ist, ob es sich um Journalismus, Public Relations oder eine Lügen-Kampagne handelt und wer der Absender ist. Hinzu kommt, dass Algorithmen und die Aufmerksamkeitsökonomie nicht gerade die besten Freunde vom Journalismus sind, sondern Clickbaiting bevorzugen.

Noch problematischer wird es künftig, wenn nicht mehr nur Menschen, sondern in noch stärkerem Maße als heute schon Software Texte verfasst und damit die Suchmaschinen dominiert. Hierzu zwei Gedanken, die gerne diskutiert werden dürfen: 1. Ich plädiere für eine im Pressekodex vorgeschriebene Kennzeichnungspflicht von automatisch generierten Texten. Roboterjournalismus bietet viele Chancen und ist keineswegs zu verteufeln, zumal er ohnehin nicht aufzuhalten ist. Mir geht es hier um eine möglichst hohe Transparenz. 2. So wie man heute Google mit dem Befehl filetype:pdf zum Beispiel speziell nach pdf durchsuchen kann, sollte es möglich sein, relativ einfach bei einer Suchmaschine einstellen zu können, ob man nur von Menschen geschriebene Texte, nur von Software produzierte Texte oder beides in den Suchergebnissen angezeigt bekommen möchte.

Die „News-WG“ des Bayerischen Rundfunks – die „moderne Tagesschau“?

Schwierig wird die Auffindbarkeit von Qualitätsjournalismus außerdem, weil Journalisten nicht mehr nur im Radio, Fernsehen, in der Zeitung und auf ihrer eigenen Website Berichte, Reportagen, Feature und Kommentare veröffentlichen, sondern auch die Medien nutzen, die von Hause aus für Nicht-Journalisten gedacht waren (wie zum Beispiel Facebook oder Instagram). Ich begrüße ausdrücklich, dass Journalisten hier Präsenz zeigen und soziale Medien mit hochwertigem Inhalt füllen. Ich sage nur, dass es dabei schwierig ist, als Qualitätsjournalismus dort wahrgenommen zu werden. Beim IQ-Dreiländer-Treffen stellt Katrin Pötzsch zum Beispiel die „News-WG“ vom Bayerischen Rundfunk vor, überspitzt formuliert eine Art „moderne Tagesschau“ für Jugendliche. Es ist ein sehr professionell und sehr gut gemachtes Nachrichtenformat. Nur stellt sich auch hier die Frage, wie dies unter all den Influencer-Accounts sichtbar gemacht werden kann.

Auch folgenden Vorschlag stelle ich sehr gerne zur Diskussion: Könnte man vielleicht neben dem blauen „Echtheits-Haken“ eines Profils einen weiteren in einer anderen Farbe erfinden, mit dem journalistische Inhalte gekennzeichnet werden? Diesen sollten nicht nur traditionelle Verlage und Rundfunksender erhalten, sondern diejenigen, die sich an den Pressekodex halten und somit verantwortungsbewusst journalistisch arbeiten.

2. Was verstehen wir unter Qualitätsjournalismus?

Es ist wichtig, deutlich zu machen, worin sich Journalismus von anderem Content im Internet unterscheidet. Uns Journalisten wurde prominent in den Grundrechten des Grundgesetzes nicht ein eigener Artikel mit der Pressefreiheit gewidmet, um Katzenbilder, unser Mittagessen oder irgendwelche nicht weiter recherchierten Gerüchte zu veröffentlichen. Der Journalismus hat eine Wächterfunktion. Ob man sie neben der Exekutiven, Legislativen und Judikativen nun als „vierte Gewalt“ bezeichnet oder nicht, ändert nichts daran, wie bedeutend Qualitätsjournalismus für die Demokratie ist.

Genau dafür muss in der Gesellschaft wieder ein Bewusstsein geschaffen werden. Beim IQ-Dreiländer-Treffen spricht Sarah Beham, Nachrichtenredakteurin des Bayerischen Rundfunks, darüber, wie Redaktionen Vertrauen aufbauen. Klaus Ott, Redakteur der Süddeutschen Zeitung, stellt die Projekte „Journalisten erklären sich: Medienkunde an Schule und Hochschule“ vor. Um eine Breitenwirkung zu erzielen, halte ich nach wie vor ein Schulfach Medienkunde für notwendig.

Wenn ich einen Workshop über Verifikation und Faktencheck gebe, werde ich oft gefragt: Wie soll ein User denn all das selbst machen? Wirklich jedes Mal ins Impressum schauen? Immer die Google-Rückwärtssuche nutzen? Alle Fakten gegenchecken? Meine Antwort: Das muss er ja nicht. Genau dafür gibts ja den professionellen Journalismus, der ihm diese Arbeiten abnimmt. Genau das ist nämlich auch seine Aufgabe: Eine fundierte Recherche, auf die man sich als User verlassen kann.

Dies bedeutet aber auch, dass wir endlich auch einmal das als Public Relations bezeichnen müssen, was kein Journalismus ist, aber auf unseren journalistischen Plattformen veröffentlicht wird. Ich plädiere dafür, dass gerade auch in gedruckten Lokalzeitungen deutlich gekennzeichnet wird, wenn ein Text vom Ortsvereinsvorsitzenden einer Partei oder von einem Vereinsmitglied statt von einem echten (freien) Journalisten geschrieben worden ist. Möglich wäre eine Angabe am Ende „Der Autor ist…“ (es muss nicht – wie früher vom ehemaligen Chefredakteur Joachim Braun beim „Nordbayerischen Kurier“ in Bayreuth eingeführt – eine Trennung in eine wöchentliche extra Vereinsbeilage sein). Auch hier erhoffe ich mir mehr Transparenz, die langfristig den Qualitätsjournalismus stärken wird. Wir Journalisten müssen endlich einmal auch alle unsere Traditonen hinterfragen und Qualitätsjournalismus vorleben.

Was sind nun die wirklichen Social-Media-Trends 2020?

Ich habe heute schon den ganzen Tag damit verbracht, mich durch das Netz zu klicken. Und das, obwohl ich lediglich eine einfache Suchanfrage bei Google gestellt habe: „Social Media Trends 2020“. Das scheint ein Thema zu sein, zu dem jeder etwas zu sagen hat.

Smartphone mit dem Wort Social
Im Netz befassen sich zahlreiche Autoren mit den Social-Media-Trends für das Jahr 2020. Foto: Pixabay

Unter den vier wichtigsten Trends von BASIC Thinking taucht – was nicht überall der Fall ist – auch Augmented und Virtual Reality einmal wieder auf, was 2019 eher im Schatten von Künstlicher Intelligenz stand und für viele zu aufwändig zu produzieren war. Die Autorin Vivien Stellmach führt dies vor allem darauf zurück, dass 5G in diesem Jahr im Kommen sei. Die weiteren von ihr vorgestellten Trends sind wenig überraschend: Kurzweilige Inhalte und verantwortungsvolle Nutzung stellen demnach einen Trend genauso dar wie die wachsende Bedeutung von TikTok und von Influencer Marketing.

Werben & Verkaufen hat sechs wichtigste Trends für 2020 ausgemacht: Toni Stadler glaubt, dass kurzlebige Inhalte (wie Insta-Storys) beliebt bleiben werden. Nischen-Plattformen (dazu zählt er TikTok) werden weiter wachsen. Dass Instagram die Anzahl der Likes nicht mehr anzeigen wird, werde zu Veränderungen führen. Videoinhalte werden laut W&V weiter dominieren. Und auch Toni Stadler glaubt, dass Influencer-Marketing weiter an Bedeutung gewinnen werde.

Instagram holt zum Schlag gegen TikTok aus

Future Biz prophezeit, dass Instagram aus dem Konzern von Mark Zuckerberg zum Gegenschlag gegen TikTok ausholen werde: „Spricht man über die Unterschiede, dann wird auf die Scheinwelt auf Instagram gegen die neue Form von echter und authentischer Kommunikation auf TikTok gestellt.“ Ein Vorteil von Instagram werde sein, dass TikTok sehr viel mit Themen beschäftigt sein werde, die im „Facebook-Kosmos“ schon lange etabliert seien. „Man kann also sagen, dass Instagram sich einer idealen Position befindet. Mein Gefühl sagt mir, dass Instagram in 2020 sehr vieles richtig machen wird und TikTok noch sehr viel zu lernen hat. Das wird Instagram für sich nutzen“, meint Jan Firsching auf Future Biz. Außerdem prophezeit er, dass LinkedIn als Business-Netzwerk weiter an Beliebtheit gewinnen werde – vor allem auch dank seiner starken organischen Reichweite.

Fazit

Auffallend ist, dass die Ausblicke auf das Jahr 2020 Social Media vor allem als Marketing-Tool im Blick haben. Wie sich die Nutzung von Social Media für Journalisten 2020 ändern wird, wird eher selten thematisiert. Hier kann man davon ausgehen, dass soziale Netzwerke für die Recherche immer unverzichtbarer werden, weil Debatten (siehe das umgedichtete WDR-Kinderlied) im Netz angestoßen werden und erst darüber den Weg in die etablierten Medien finden. Auffallend ist übrigens, dass WhatsApp und Snapchat in den Social-Media-Trends 2020 kaum thematisiert werden, obwohl diese laut ARD/ZDF-Onlinestudie 2019 eine hohe Relevanz haben. WhatsApp liegt in der Nutzung sogar vor Facebook, Snapchat in Deutschland immerhin vor Twitter.

Frohe und schöne Weihnachten

Frohe Weihnachten & einen guten Start ins neue Jahr! Foto: Pixabay

2019 war ein sehr arbeitsreiches und spannendes Jahr: An der Technischen Hochschule Nürnberg haben wir uns intensiv mit dem „Auto als Kommunikationsplattform der Zukunft“ beschäftigt. Über das Leonardo-Zentrum hat sich ein interdisziplinäres Forscherteam zusammengefunden, um an dem für die deutsche Industrie sicherlich eminent wichtigen Thema zu arbeiten. Im nächsten Jahr geht das Projekt weiter. Das Thema hatte ich ja schon zu meiner Zeit als Leiter der Medienstandort-Agentur MedienNetzwerk Bayern angestoßen, weil ich vor allem in der Zusammenarbeit zwischen Automobil- und Medienbranche ein enormes Potenzial sehe.

Absoluter Schwerpunkt in diesem Jahr war allerdings das Thema Change Management sowie Change Communication in der Medien- und Kommunikationsbranche. Wir haben Anfang des Jahres das Deutsche Institut für Change-Prozesse und digitale Geschäftsmodelle gegründet, ein Buchprojekt umgesetzt, Seminare an der TH Nürnberg und FAU Erlangen-Nürnberg dazu gegeben, etliche Meetups und Change-Frühstücke veranstaltet und inzwischen sogar das erste kleine Forschungsprojekt eingeworben. Ich selbst habe rund drei Dutzend Bücher zum Thema gelesen und – das war mein inspirierendstes Seminar – die Zertifizierung zum Prosci-Change-Manager in München gemacht. Auch das Thema werden wir im neuen Jahr weiter mit vollem Elan angehen.

Die weiteren Themenfelder, unter anderem Social Media, Crossmedia in Fachzeitschriften, ethische Aspekte des Roboterjournalismus, waren in diesem Jahr nicht weniger spannend. Ich freue mich schon, was das Jahr 2020 bringt, und danke allen Partnerinnen und Partnern, Kolleginnen und Kollegen für die hervorragende Zusammenarbeit in diesem Jahr!