Hört endlich mit diesen Milliarden auf!

„TUI bekommt Staatskredit über 1,8 Milliarden Euro.“ (Spiegel)
„Bund will bis zu 365 Milliarden Euro neue Schulden aufnehmen.“ (Süddeutsche Zeitung)
„Land stützt Wirtschaft mit Milliarden-Hilfspaket“ (Die Welt)

Drei Überschriften von drei Qualitätsmedien, die Leserinnen und Leser leider nur ratlos zurücklassen. Noch schneller als bei der Euro-Krise wird – verbal – mit Milliarden um uns geworfen. Die Zahlen klingen eindrucksvoll. Die Politik will damit beruhigen, dass sie etwas tut. Doch leider wird von Medien nur höchst selten eingeordnet, was dies bedeutet.

Sind 365 Milliarden Euro neue Schulden viel? Die Zahlen klingen schwindelerregend. Hier wünschte man sich vor allem Vergleiche, um dies einordnen und kapieren zu können. Nur durch Vergleiche (wie man sie bei Flächen durch den abgedroschenen Vergleich mit der Anzahl von Fußballplätzen kennt) können diese einigermaßen greifbar werden.

Zahlen und Statistiken nützen Leserinnen und Lesern nur dann etwas, wenn sie eingeordnet werden. Foto: Pixabay

Deshalb ein Lesetipp: „So lügt man mit Statistik“ von Walter Krämer. Der Statistik-Professor der TU Dortmund sensibilisiert, wie mit Zahlen, Grafiken und Tabellen manipuliert werden kann. In einem Gastbeitrag gibt Roland Schatz, Chef von Media Tenor, außerdem „7 Tipps für besseren Corona-Journalismus“.

Journalismus ist systemrelevant. Es ist wichtig, dass er auch in der Ausnahmesituation hinterfragt und verschiedenste Experten zu Wort kommen lässt, aber auch einordnet. Ein paar Beispiele:

  1. Wenn Unternehmen, aber auch Sportvereine oder andere Organisationen beklagen, wie viele Millionen sie durch die Corona-Krise „verlieren“, muss hinterfragt werden, wie sich diese Zahl ergeben hat und vor allem auch, auf welchen Zeitraum sie sich bezieht.
  2. Die Liste an Ländern mit den meisten Infizierten und den meisten Todesfällen alleine besitzt keine Aussagekraft. Sie ließe sich nur vergleichen, wenn überall exakt gleich getestet werden würde. Außerdem muss auch diese im zeitlichen Kontext und zum Beispiel zur Bevölkerungszahl eingeordnet werden.
  3. Wie hoch ist die als Hilfe in Aussicht gestellte Staatsverschuldung im Vergleich zum Gesamthaushalt? Was bedeutet dies für geplante künftige Infrastrukturprojekte?

Das sind nur einige Beispiele für Fragen, um die Auswirkungen der durch den Corona-Virus entstandenen Krise für Leserinnen und Leser greifbarer zu machen. Genau das ist heute eine der wichtigen Aufgaben für Journalistinnen und Journalisten.

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