Zoom, Moodle, Teams & Co.: Learnings aus dem digitalen Semester

Anfang März schien das Sommersemester 2020 ja noch ganz normal zu starten. Ich hatte alle Seminarpläne vorbereitet, meine PowerPoint-Folien weitgehend fertig, die Sitzungen konzipiert. Und dann kam Corona. An den Universitäten und Hochschulen wurde auf digitale Lehre umgestellt, was mal holprig (technische Ausstattung und anfangs die Kapazitäten zum Beispiel für Adobe Connect), mal super funktionierte. Ein paar Sachen habe ich aus diesem besonderen Semester mitgenommen:

1. Zoome nie länger als 90 Minuten

Digitale Seminare sind anstrengender als Präsenzlehre. Sie ermüden schneller. Ein didaktischer Wechsel ist wichtig. Zwar kann man zum Beispiel bei Zoom auch Break-out-Sessions für Gruppenarbeiten nutzen. Die besten Erfahrungen habe ich aber gemacht, wenn ich von Beginn an das Seminar abwechslungsreich konzipiert hatte: 60 Minuten Zoom, dann schaut sich jeder drei zehnminütige Referate als Video an, dann gibts einen Aufsatz als pdf zu lesen, dazu Fragen per Mail einzureichen – und man trifft sich wieder via Zoom zum Diskutieren. Das ist in der Konzeption und Planung zwar viel aufwändiger, das Feedback der Studierenden war hier aber wesentlich besser.

2. Die Kamera ist wichtig für einen Seminarcharakter

Die Süddeutsche Zeitung hat mit dem Titel „Generation unsichtbar“ darüber berichtet, dass angeblich Studierende nur ungern ihre Webcam in Seminaren einschalten. Um ganz deutlich zu sein: Dann handelt es sich auch nicht um ein Seminar, sondern um eine reine Vorlesung mit kaum Interaktionen. Ich bitte jeweils zu Beginn meine Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die Cam einzuschalten. Letztlich entsteht dadurch in der Regel eine sehr gute Seminaratmosphäre. In einem Seminar habe ich leider auch erlebt, dass niemand die Cam einschalten wollte, was dann auch zu langen Monologen meinerseits (dann aber auch ohne Cam von mir) geführt hat. Meine Erfahrung: In solche Fällen macht synchrone Live-Lehre keinen Sinn. Dann kann man gleich auf einen Podcast verlinken.

3. Ausrüstung ist wichtig

Egal, ob Dozierende oder Studierende: Digitale Lehre erfordert Equipment. Weil die meisten Hochschulen und Universitäten (wie zum Beispiel die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg oder die TH Nürnberg) schon angekündigt haben, das Wintersemester 2020/2021 wird auch zumindest weitgehend digital stattfinden, ist jetzt Zeit zu schauen, wo man nachrüsten muss: Klar, eine Webcam gehört zur Standardausrüstung. Sinnvoll sind dann noch ein externes Mikrofon und eine stabile Internetverbindung (übrigens klappt bei einem sehr hohen Datentarif Zoom auch sehr gut via Hotspot durch das LTE vom Smartphone).

4. Dialoge oder Aufgaben statt Monologe

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass kleine Aufgaben in einem Online-Seminar bei Studierenden sehr gut angekommen. Oder zumindest Dialoge statt Monologe. Klar, ich vermute mal, manchen wird dies auf die Nerven gehen, die sich nur einloggen wollen und dann noch ein Stündchen im Bett schlummern. Aber dann macht ein Online-Seminar ja sowieso keinen Sinn. Deshalb setze ich inzwischen sehr stark auf Interaktion.

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